

257 Wendehals
Jynx torquillaVogel des Jahres 1988
E Wryneck
F Torcol fourmilier

Kennzeichen
Gew. 38 g. Der Wendehals ist ein völlig abweichender Verwandter der Spechte. In seiner Größe entspricht er einem Kleinspecht, ist schlank, mit relativ kurzem Schnabel. Der lange Schwanz ist ohne Stützfunktion. Die Oberseite ist rindenfarbig gemustert, ähnlich wie bei Ziegenmelker und Zwergohreule, mit dunkelbraunen Längsstreifen. Der Schwanz weist verkritzelte dunkle Querbänder auf. Die Unterseite ist rahmgelblich und zart gesperbert. Die Nahrungssuche (vorwiegend Ameisen) findet bevorzugt am Boden statt, wobei die etwa 4 cm lange Klebzunge eingesetzt wird. Wegen seiner Tarnfärbung ist der Vogel oft nicht leicht zu entdecken, doch verrät ihn die durchdringende Gesangsstrophe.
Verbreitung und Lebensraum
Er ist ein Sommervogel in Europa vom Polarkreis bis ins Mittelmeergebiet, jedoch ohne Südspanien und Griechenland, im Osten bis Ostasien. Als einzige Fernzieher unter den Spechten sind die aus dem nördlichen Europa stammenden Wendehälse Transsaharazieher, die südlicheren überwintern bereits im Mittelmeergebiet und in Nordafrika. Die Vögel sind nicht häufig und relativ unauffällig. Sie bewohnen lichte Laubgehölze und gerne Parks und Obstgärten, besonders Streuobstwiesen, mit einem Angebot an Bruthöhlen. Sie bauen selbst keine Höhlen. Die Bestände sind in starker Abnahme begriffen.
Gesang
Die Strophe besteht meist aus 8-15 kräftigen nasalen »gäh«- oder »gjä«-Elementen (a G1), bei stärkerer Erregung bis 22 Elementen (ca. 5 s Dauer), das klingt dann mehr wie »kje-kje...«. Der Beginn ist leiser und steigt in der Tonhöhe an, diese kann dann wieder absinken G2. Der Gesang wird häufig von beiden Partnern im Duett oder als Kontergesang (b) vorgetragen. Bei besonderer Erregung im Nahkontakt entstehen unvollständige und leise Strophen, auch ein sehr langsamer Gesangstyp G2. Gesang ist auch zu Tageszeiten (mittags) und unter Witterungsbedingungen (Schwüle) zu hören, wenn andere Vogelarten schweigen. Der Vogel gilt daher volkstümlich als Regenkünder. Gesang ist selten auch von Durchzüglern im Frühherbst zu hören; sie können dann auch mitten in einer Siedlung auf einer Rasenfläche Rast machen.
Rufe
Bei Störung an der Bruthöhle rufen sie eine an- und absteigende Rufreihe aus geräuschhaften Kurzelementen wie »teck...« oder »töpp...«. Gegenüber Rivalen bringen sie gereihte misstönende Rufe wie »kschri-kschri...«, »ge-ge...« (c R1), auch bei Begegnung der Partner an der Nisthöhle G2, oder »wet-wet...«. Junge in der Bruthöhle betteln fortlaufend rhythmisch mit metallischem und sehr schrillem Klang »zit-zit...« oder »zizizizi...« (d R2), was eher an Insekten als an Vögel erinnert.
Instrumentallaute
Ein schwaches Trommeln und Klopfen wie bei anderen Spechten ist beim Höhlenzeigen und bei der Brutablösung beobachtet worden, jedoch nicht häufig zu hören.
Verwechslungsmöglichkeit
Die Gesangsstrophe kann durch ihre nasale Klangqualität nicht leicht mit Lautäußerungen anderer Vögel verwechselt werden, variiert aber in gewissem Maß.
