Ordnung Passeriformes – Sperlingsvögel
Familie Laniidae – Würger

270 Schwarzstirnwürger

Lanius minor

E Lesser Grey Shrike
F Pie-grièche à poitrine rose

vogel

Kennzeichen

Gew. 51 g. Die Art ist dem Raubwürger sehr ähnlich, aber etwas schmächtiger. Eine schwarze Augenmaske zieht sich breit über die Stirn. Die schwarze Stirn fehlt aber bei Jungvögeln. Die Unterseite ist rötlich überhaucht (wie beim Mittelmeer-Raubwürger). Die Vögel sind geselliger als andere Würger; sie nisten kolonieartig in Brutgemeinschaften. Der Flug erfolgt geradlinig schnurrend, nicht in Bögen wie beim Raubwürger. Der Vogel sitzt aber ebenfalls gern auf Warten und rüttelt beim Beutefang. Er spießt weniger häufig als andere Würger die nicht benötigten Nahrungsobjekte auf Dornen oder Stacheldraht auf. Die Reviere werden nur kurze Zeit im Jahr durch Schauflüge markiert bzw. verteidigt.


Verbreitung und Lebensraum

Dieser Würger ist Sommervogel im östlichen Mittel- und Osteuropa, bis Mittelasien, und ist im Westen sporadisch verbreitet. Die Nordgrenze schwankt stark. Als Großinsektenfänger ist er von Klimaschwankungen und Insektiziden bedroht. In Deutschland ist die Art als Brutvogel 1987 ausgestorben. Die Vögel bewohnen lichte Laubbaumbestände, besonders Obstplantagen, Baumreihen an Straßenrändern, auch Kultursteppen. Dort brüten sie zuweilen in der unmittelbaren Nachbarschaft von Brutkolonien der Wacholderdrossel, was auch für andere Würger gilt. Sie treffen spät im Brutgebiet ein, in Mitteleuropa erst Mitte Mai. Die Vögel kommen bereits verpaart hier an.


Gesang

Der kräftige rufartige Gesang wie »...wüit…tjak…wüit...« (a G1) stellt Vollgesang mit Funktion der Reviermarkierung dar. Er setzt sich aus sehr kurzen Strophen zusammen, ähnlich wie beim Raubwürger und seinen Verwandten. Bei der Balz des erfolgt im Partnerkontakt leiser schwätzender Gesang. Junggesellen singen jedoch lauter schwätzend (zutreffend auf b G2) mit tonalen Passagen wie auch fast stimmlosen Reihen »tk-tk-tk...«, dazu mit sehr guten und zusammenhängenden Imitationen, z. B. von Blaumeisen- und Rauchschwalben-Rufen, Buchfink-Strophe und Gesangsausschnitten des Bluthänflings (d R1).


Rufe

Gegenüber Artgenossen zeigt er bei der Reviergründung einen Schauflug mit gespreiztem Schwanz, dabei äußert er Rufreihen wie »kerrib-kerrib...« oder sperlingartig »tschilip-tschilip...«. Dies könnte ein Übergang zu territorialem Gesang sein (vgl. a G1, sowie Raubwürger). Gegenüber Beutefeinden im Revier bringt er heftig zeternde Rufe wie »gägä...« bzw. in höchster Intensität auch hart knarrend »tr tr tr trr...« oder »tre tre...« (c R1). Bei Störung am Nest vernimmt man »tschek...«, auch wie »srek-srek« umschrieben. In Gesangspausen ertönen »wät«-Rufe (R2). Vor Beginn des Gesangs sind einleitende Rufe wie »krje« zu erkennen.


Instrumentallaute

Bei Angriffen auf Feinde, Artgenossen, Kleinvögel und Menschen und bei Abwehr ist Schnabelknappen zu hören.